Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Poseck verstärkt Kampf gegen „Violence as a Service“

Nach mehreren Explosionen im Rhein-Main-Gebiet hat Innenminister Poseck den Kampf gegen eine neue Form organisierter Kriminalität in den Fokus gerückt. Die Sicherheitsbehörden haben ihre Ermittlungen verstärkt.

Vor dem Hintergrund von fünf Sprengstoffexplosionen im Rhein-Main-Gebiet in den letzten Tagen kündigte Innenminister Roman Poseck in Wiesbaden ein konsequentes Vorgehen der Sicherheitsbehörden an:

„Wir nehmen die aktuellen Entwicklungen sehr ernst. Organisierte Kriminalität hat eine neue Dimension erreicht, wenn gezielt Explosionen eingesetzt werden, um andere, die nicht selten selbst in kriminelle Machenschaften verstrickt sind, einzuschüchtern und zu bedrohen.

Diese Taten richten sich zwar nicht gegen Unbeteiligte und in der Regel auch gar nicht gegen Leib und Leben, sie sind aber hoch gefährlich. Ich verstehe die Sorgen der Menschen, die durch Explosionen in der Nachbarschaft verängstigt sind.

Wir werden in Hessen alles dafür tun, dem Anstieg dieser Fälle wirksam zu begegnen. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch gelingen wird. Die Verhaftungen nach den Taten der letzten Tage zeigen, dass die Strafverfolgungsbehörden den Tätern auf den Fersen sind. Die Ermittler werden die aktuellen Fälle sehr sorgfältig und mit Hochdruck bearbeiten, so dass hoffentlich auch Strukturen aufgedeckt und Hintermänner zur Rechenschaft gezogen werden können.“

Spezialisierte Einheiten gehen gegen „Violence as a Service“ vor

„Gewalt darf in Hessen kein Geschäftsmodell sein. Mit spezialisierten Einheiten beim Landeskriminalamt sagen wir den Verbrechern den Kampf an. Hessen verfügt über sehr wachsame und leistungsfähige Sicherheitsbehörden, die die gesamte Palette an Möglichkeiten zur Bekämpfung Organisierter Kriminalität zur Anwendung bringen werden. Dabei ist es gut, dass wir unsere Polizei im Rahmen der Reform des Polizeirechts mit zusätzlichen Befugnissen ausgestattet haben. Videoschutzanlagen und Datenanalyse sind auch bei der Bekämpfung dieses Kriminalitätsfelds von großer Bedeutung.“

Gewalt darf in Hessen kein Geschäftsmodell sein. Mit spezialisierten Einheiten beim Landeskriminalamt und vor Ort sagen wir den Verbrechern den Kampf an.

Roman Poseck Innenminister

Da Spuren immer wieder in die Niederlande führen, werden wir die Zusammenarbeit mit den dortigen Sicherheitsbehörden intensivieren. Auch unsere Aktionstage gegen den organisierten Sozialbetrug leisten einen Beitrag, indem zum Beispiel auf Autobahnen gezielt kontrolliert wird.

Ich werde das Thema auch in die nächste Innenministerkonferenz einbringen. Es handelt sich um ein deutschlandweites Phänomen. Deshalb ist es richtig, Bekämpfungsstrategien aufeinander abzustimmen.

Der sehr erfolgreiche Kampf gegen Geldautomatensprengungen macht mich zuversichtlich, dass auch der Kampf gegen das Phänomen „Violence as a Service“ erfolgreich sein wird. Es gibt einige Parallelen zwischen den Phänomenbereichen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Bezüge in die Niederlande. Die Geldautomantensprengungen konnten in Hessen in wenigen Jahren von über 60 fast auf null zurückgeführt werden. Das muss unser Ziel auch bei den neuen Entwicklungen sein.

Ich danke den Sicherheitsbehörden für ihr beherztes und professionelles Vorgehen in den jüngsten Fällen.“

Zum Phänomen „Violence as a Service“

Das Phänomen „Violence as a Service“ stellt eine neue Dimension der schweren und organisierten Kriminalität dar, dessen Taten ohne erkennbare Verbindung zwischen den Beteiligten verübt werden. Was für die Auftraggeber äußerst lukrativ ist, birgt für Unbeteiligte und für die öffentliche Sicherheit erhebliche Gefahren.

Charakteristisch für dieses Phänomen ist das gezielte Anwerben leicht beeinflussbarer und häufig Minderjähriger oder junger Erwachsener im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Oft stammen diese aus dem Ausland, wo sie polizeilich schon in Erscheinung getreten sind, und reisen nur für die Begehung von Straftaten nach Deutschland ein. Vereinzelt wurde jedoch auch schon die Rekrutierung entsprechender Personen in Deutschland registriert.

Mit Beginn der Erfassung im Jahr 2024 wurden in Hessen zunächst vereinzelt Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Phänomen „Violence as a Service“ (VaaS) bekannt. Die Fallzahlen bewegten sich im einstelligen Bereich. Im Verlauf des Jahres 2025 wurde ein deutlicher Anstieg verzeichnet; die Fallzahlen liegen im unteren zweistelligen Bereich. In diesem Jahr verzeichnet die Polizei bisher so viele Fälle wie im gesamten Jahr 2025.

Hessen reagiert auf diese Entwicklung unter anderem mit den folgenden Maßnahmen:

  • Im November 2025 wurde die Task Force “Violence as a Service“ im Hessischen Landeskriminalamt eingerichtet. Somit besteht eine spezialisierte Struktur, die operative, analytische und strategische Kompetenzen bündelt.
  • Landesweite Aktionstage mit Schwerpunkt VaaS, insbesondere unter Nutzung von Schleierfahndungsmaßnahmen auf hessischen Bundesautobahnen sind fester Bestandteil zur Bekämpfung der schweren, strukturellen und organisierten Kriminalität.
  • Datenanalyse, insbesondere Nutzung von hessenDATA.
  • Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit (Europol, Niederlande, BKA).
  • Sensibilisierungsmaßnahmen innerhalb der Polizei und in der Öffentlichkeit.
  • Es bestehen regionale Einheiten, die sich gezielt auf die Bekämpfung organisierter und struktureller Kriminalität konzentrieren, darunter auch die Bekämpfung von VaaS.

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